10.000 Menschen aus 17 Aktionskreisen haben Mitte Oktober zwischen Grafeneck auf der Schwäbischen Alb und dem Innenministerium in Stuttgart eine lila Farbspur gezogen, die Spur der Erinnerung. Sie sollte – 70 Jahre danach – ein Gedenkstrich sein zwischen der ersten Mordfabrik in Nazi-Deutschland und dem Ort der Schreibtischtäter.
Über 10.000 Kranke und Behinderte wurden in Grafeneck umgebracht, nachdem das Behindertenheim der evangelischen Samariterstiftung vom württembergischen Innenministerium im Oktober 1939 beschlagnahmt worden war. Und so begann am 18. Januar 1940 auf der Schwäbischen Alb – nicht, wie viele meinen, in Auschwitz – erstmals in der Geschichte der Menschheit ein industriell organisierter Massenmord, der erst im Mai 1945 zu Ende ging.
Tausende Frauen, Männer und Jugendliche nahmen im Oktober diesen Jahres Pinsel und Farbrollen in die Hand, um die 70 Kilometer lange Spur, die durch 20 Gemeinden ging, zu legen. Es beteiligten sich Menschen mit und ohne Handicap, Schüler aus 70 Schulen und ihre Lehrer, Jugend- und Kirchengruppen, Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte oder Pfarrer, Betriebsräte, Sozialarbeiter und Kulturinitiativen. Damit wurde aus der Spur der Erinnerung das größte Bürgerprojekt nach der Menschenkette gegen die Stationierung der Pershing-Raketen im Jahr 1983, die von Stuttgart nach Neu-Ulm führte.
Der Film dokumentiert ein ungewöhnliches Zeichen der Erinnerung - eine Bürgeraktion, die zeigt, wie einfach es sein kann, alle Menschen mitzunehmen hinaus in die Welt, sie nicht auszusondern, sondern selbstbewusst und gemeinsam Zivilcourage zu demonstrieren - Leben inklusive, wie es die UNO in ihrer Menschenrechtskonvention proklamiert. Eine einzigartiges Dokument zur Zeitgeschichte, berührend und Mut machend.
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